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Blog 02 // 01.06.2020

Bewusster Umgang mit Plastik durch Innenschau

Es kommt immer anders, als man denkt, und dazu erst noch früher. Die aktuelle Corona Pandemie hat uns gezwungen, uns vermehrt auf die Innenschau zu fokussieren. Demgegenüber steht die Aussenschau. Diese befasst sich mit der für das menschliche Auge sicht- und beschreibbaren Welt. Die Verschmutzung von Land und Gewässer durch Plastik fällt in diese Kategorie.

Die Innenschau befasst sich mit einer für das menschliche Auge nicht sichtbaren Welt. Sie kann lediglich mit dem «geistigen» Auge ergründet werden – doch sie ist nicht unbedeutend; denn die Plastikverschmutzung hat in unserem Geist ihre Ursachen.

Für PLAWARE bedeutet dies, dass wir uns nicht nur um die phänomenologisch sichtbare Plastikverschmutzung kümmern wollen, sondern auch darum, diese durch bewusste Innenschau im vornherein zu vermeiden. Der Name PLAWARE setzt sich aus den beiden englischen Begriffen «Plastic» (Plastik, Kunststoff) und «Awareness» (Bewusstsein) zusammen. So sind wir also schon per Namensdefinition dazu verpflichtet, uns auch auf diesem Gebiet zu engagieren.

Wird Plastikabfall von vornherein vermieden, können auch die damit verbundenen aufwendigen (und teils kostspieligen) Bemühungen zur Abfallentsorgung obsolet werden. Im vorliegenden Blog wollen wir uns folglich dieser Innenschau zuwenden.

Ausflug in die fernöstliche Philosophie

Der Goldene Bodhi Baum. Unter diesem Baum, der echte steht in Bodhgaya, Indien, soll der Buddha gemäss Sage seine Erleuchtung erlangt und damit auch die drei Geistesgifte erkannt haben.

Weil unser Pilotprojekt in einem buddhistisch geprägten Umfeld stattfinden wird, lohnt es sich, dieses auch ein bisschen näher kennen zu lernen. Im Buddhismus werden drei Geistesgifte, bzw. Geistesverschmutzungen unterschieden:

  1. Gier (Lobha)
  2. Hass (Dosa)
  3. Verblendung (Moha)

Die Gier versteht sich als Sucht oder Begierde nach Besitz und Macht. Gerade wenn wir uns übermässig viel Besitztum aneignen, produzieren wir damit auch entsprechend Abfall, sei es in der Produktion / im Vertrieb, in der Verwendung selbst oder in der Entsorgung. Die Gier lässt sich durch Grosszügigkeit, Nächstenliebe und Spende bändigen.

Hass ist nichts anderes als Zorn und Aggression. Auch wenn die Beherrschung dieses Geistesgiftes nicht direkt zur Abfallreduktion beitragen kann, so schadet es unserer Welt keineswegs, wenn wir diesen durch Güte und Liebe ersetzen.

Das dritte Geistesgift ist die Verblendung. Sie steht für Unwissenheit, bzw. das Nicht-Wissen und wird als die Hauptursache für Leid angesehen. Die Lehre besagt, dass daraus Gier und Hass erwachsen. Folglich muss die Unwissenheit, bzw. das Nicht-Wissen als erstes beseitigt werden.

Von diesen drei (inneren) Geistesgiften stehen zwei in direktem Zusammenhang mit der (äusseren) Verschmutzung. Diese zu überwinden bedeutet also direkt, die Verschmutzung unserer Erde zu reduzieren.

 

Tatsächlich setzen auch wir von PLAWARE bei der Unwissenheit, bzw. beim Nicht-Wissen an. Wenn jemand Plastik-Abfall über die Schulter in Oberflächengewässer entsorgt, so ist sich diese Person oft nicht bewusst, dass dieses Plastik als Mikro- und Makroplastik die Umwelt nachhaltig verschmutzt. Früher, als es noch kein Plastik im Alltag gab, wurde der biologisch abbaubare Abfall auf dieselbe Art und Weise entsorgt (siehe Blog 01).  In der Schweiz existiert sinngemäss der Grundsatz, dass Unwissenheit vor dem Gesetz nicht schützt. Tatsächlich führt genau diese Unwissenheit zu jener dominierenden phänomenologischen Verschmutzung unserer Welt durch Plastikmüll.

Wo am meisten Abfall produziert wird

Gemäss einer Studie der Weltbank ist heute erwiesen, dass industrialisierte, bzw. wirtschaftlich entwickelte Länder im Allgemeinen und Städte in aller Welt im Speziellen am meisten Abfall (inkl. Plastik) pro Person generieren. Es ist schwierig, allgemeingültige Zahlen zu nennen, doch laut dieser Studie liegt die durchschnittliche Abfallmenge bei ca. 1’180g pro Person und Tag in Europa und Zentralasien im Vergleich zu ca. 560g pro Person und Tag in der Ostasien und Pazifik Region. Plastik macht ca. 12% des Siedlungsabfalls aus. Auch wenn die täglich produzierte Abfallmenge in ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern deutlich kleiner ist, so sind die sichtbaren Auswirkungen eines fehlenden, bzw. ungenügenden Abfall-Managements dominierend.

Damit fühlen wir uns mit unserem Ansatz in unserem Pilotprojekt bestätigt. Allerdings wollen wir nicht nur bei der nach aussen hin sichtbaren Plastik-Verschmutzung ansetzen, sondern auch bei der «inneren» Verschmutzung unseres Geistes.

Es ist in der Weltbankstudie belegt, dass dort, wo mehr Geld vorhanden ist (also in wirtschaftlich weit entwickelten Ländern sowie in urbanen Gebieten) auch mehr Abfall pro Kopf produziert wird. PLAWARE setzt, in Anlehnung an die Lehre von den oben genannten Geistesgiften, insbesondere bei der Unwissenheit, bzw. dem Nicht-Wissen an. Auf die Beherrschung der Gier wollen wir nicht eingehen, da deren Überwindung die persönliche Aufgabe eines jeden Einzelnen ist. Gerade die Corona Pandemie hat allerdings gezeigt, dass durch Hamsterkäufe und durch die vermehrte Zunahme von Online-Bestellungen während des Lockdowns auch hier ein grosser Handlungsbedarf vorhanden ist.

Illustration eines Abfallbergs. Je grösser die Kaufkraft, desto mehr wird konsumiert und entsprechend mehr Abfall produziert.

Unsere erweiterte strategische Ausrichtung

Wir fokussieren uns auf die Bekämpfung der Unwissenheit, bzw. des Nicht-Wissens. Dieser Ansatz steht in Einklang mit dem allgemein bekannten Konzept der 3R «Reduce» (reduzieren), «Reuse» (wiederwenden) und «Recycle» (rezyklieren). Hier soll ein bewusster Umgang mit Plastik gefördert werden, welcher von Innen heraus, also durch unsere bewusste Geisteshaltung gesteuert wird. Wir planen hierfür eine PLAWARE Community App, welche uns regelmässig daran erinnern sowie Beispiele liefern soll und die Möglichkeit bietet, auf einfachste Art und Weise die Auswirkungen unseres Verhaltens zu quantifizieren und zu visualisieren. Wir wollen mit unserer App dort ansetzen, wo am meisten Plastik-Abfall entsteht und die Menschen damit zu einem bewussten Umgang mit Plastik motivieren (wirtschaftlich weit entwickelte Länder, urbane Gebiete). Details hierzu werden dann über unsere offiziellen Informationskanäle folgen.

Wir glauben, dass wir mit unserem Engagement alle relevanten Fronten hinsichtlich ökologischer Aspekte abdecken. Ziel unseres strategischen Ansatzes des Community Bildungs-Programms und der Plastik-Pyrolyse ist es, Plastikabfall, welcher Grünflächen und Oberflächengewässer bereits sichtbar verschmutzt, mit einem kostengünstigen und breit anwendbaren Ansatz zu bekämpfen. Ergänzend dazu soll die App dazu beitragen, dass Plastik bereits im vornherein vermieden wird.

Auch wenn unsere Gesamtstrategie eine potenzielle Lösung für das Plastik-Problem dieser Welt verspricht, so muss sie sich noch in der Praxis als effektive Handhabe erweisen. Zudem kann damit vor allem gegen Makro-Plastik vorgegangen werden. Mit den Auswirkungen von Mikro-Plastik umzugehen bleibt nach wie vor eine grosse Herausforderung. Zu gegebener Zeit wollen wir uns auch diesem Problem widmen.

Reduktion von Plastik-Abfall bleibt trotz Corona eine Daueraufgabe

Die Corona Pandemie hat unser Crowdfunding für unser Pilotprojekt in Siem Reap, Kambodscha, in dem Moment unterbrochen, wo wir damit beginnen wollten. Aufgrund der aktuellen Unsicherheit, wie es im Allgemeinen weitergehen soll, haben wir vorerst entschieden, das Crowdfunding auf frühestens Herbst 2020 zu verschieben. Somit verschiebt sich auch der gesamte Zeitplan des Projekts entsprechend nach hinten. Eine Gewissheit haben wir jedoch: das (Plastik-)Abfall-Problem löst sich mit dieser Pandemie nicht von selbst. Unsere Arbeit wird immer noch gefragt und eine Daueraufgabe bleiben, solange der Mensch für den Alltag keine besseren Alternativen dafür findet.

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Pueng That grew up in Aarau (Switzerland). He is an environmental engineer and the founder of PLAWARE.

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