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Blog 01 // 20.02.2020

Eine neue Reise beginnt

Wenn etwas Neues vorgestellt wird, dann sind wir es gewohnt, vollendete Tatsachen präsentiert zu bekommen. Wir machen es anders und nehmen Euch auf unsere Reise mit. 

Fakt ist, dass wir heute bereits vor vollendete Tatsachen gestellt sind. Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet, indem wir Öl aus dem Innern der Erde geholt und es in Einweg-Plastik umgewandelt haben. Dieses findet sich jetzt auf der ganzen Welt und bedroht unsere Umwelt.

Die Verschmutzung von Land und Wasser durch Plastik hat ein bedrohliches Ausmass angenommen. Es gibt Leute, die sagen, dass wir pro Woche eine Plastikmenge in der Grössenordnung einer Kreditkarte konsumieren; dadurch bedingt, dass dieses als Mikroplastik den Weg in unsere Nahrungskette gefunden hat. Das Ziel unserer Reise ist folglich, diesen Schaden wieder rückgängig zu machen.

Der wirksamste Weg liegt dabei bei der Bekämpfung der Ursache selber. Es ist wichtig, nach Alternativen für Einweg-Plastik zu suchen, um dieses zu ersetzen. Bestehendes Plastik soll möglichst wiederverwendet und/oder rezykliert werden, damit es innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs bleibt und nicht in die Umwelt gelangt.

Stung Prek Thnot Fluss, Ta Khmao, Kambodscha. Fluss dient als Mülleimer, Abfall inkl. Plastik wird hier wie vielerorts auch „über die Schulter“ entsorgt.

Das alleine reicht jedoch nicht aus. Was machen wir mit dem Plastik, das bereits die Umwelt verunreinigt? Was können wir dagegen tun? In dieser Sache scheiden sich die Geister. Es gibt solche, die sagen, es sei besser, das Plastik in Deponien über hunderte von Jahren verrotten zu lassen. Andere sind der Meinung, man solle es kontrolliert verbrennen, um die Wärmeenergie in elektrische Energie umzuwandeln und diese zu nutzen. Wir von PLAWARE verfolgen das Konzept, Plastik in Öl umzuwandeln, um einerseits in der Umwelt vorhandenes Plastik zu eliminieren und andererseits den ursprünglichen Energiegehalt in Form von Rohöl nutzen zu können.

Wir bezeichnen die von uns gewählte Methode als die Nutzung des „Reset-Mechanismus der Natur“. Damit soll das künstlich hergestellte Plastik wieder in seine ursprünglichen Bestandteile umgewandelt werden. In Wirklichkeit bedeutet der Begriff der Pyrolyse „Zersetzung chemischer Verbindungen durch sehr große Wärmeeinwirkung“.

Mit PLAWARE begeben wir uns auf eine Reise, die Ihr in Echtzeit mitverfolgen könnt. Damit wollen wir Euch nicht nur in ein neues Themengebiet entführen, sondern auch in ein anderes Land und eine andere Kultur: nach Kambodscha.

Kambodscha – der Weg zurück zur ursprünglichen Schönheit

Dieses Land habe ich nicht zufällig als den Ort gewählt, wo wir das Pilotprojekt „A Khmer Waste Story“ starten: es ist das Land meiner Ahnen. Auf dem Weg zurück zu meinen Wurzeln bin ich dem Einweg-Plastik begegnet. Die natürliche Schönheit des Landes verbirgt sich hinter einer bis anhin ungelösten Abfallproblematik. 

Die Menschen haben hier über tausende von Jahren - so wie viele Naturvölker auch - in Harmonie mit der Natur gelebt. Erst mit der Moderne kam das Einweg-Plastik nach Kambodscha und führte zu Umweltproblemen, die vorher nicht existierten.

Bis anhin wurde alles ‚über die Schulter‘ entsorgt, d.h. in Grünflächen und ins Wasser geworfen. Bis das Plastik aufkam war dies kein Problem, denn was natürlichen Ursprungs ist, ist auch biologisch abbaubar. Das heutige Erscheinungsbild an vielen Orten Kambodschas, wo ein Abfallmanagement noch nicht so ausgeprägt entwickelt ist, spricht leider für sich und trübt die natürliche Schönheit Kambodschas. Dieses Bild ist ebenso traurig wie die trügerische Idylle von Choeung Ek, dem Völkermord Gedenkzentrum in Phnom Penh.

Mit PLAWARE wollen wir dazu beitragen, dass Kambodscha wieder in seiner natürlichen Schönheit erstrahlen kann. Das Unterfangen ist riesig; doch die Dringlichkeit lässt uns keine andere Wahl. Wir können mit Freunden darüber diskutieren, ob es nun gut ist, Plastik in Rohöl zu regenerieren und dieses anschließend zu verbrennen, was dann wiederum CO2 und ggf. andere Schadstoffe aus Verbrennungsprozessen verursacht, während wir weiter Mikroplastik konsumieren. Besser ist, wir kümmern uns um dieses dringliche Problem.

Ein weiterer Grund, weshalb wir unseren Ansatz zur Problemlösung gewählt haben ist jener, dass diese Maßnahme kostengünstig ist und somit eine grosse Breitenwirkung erzielen kann. Durch den beabsichtigten Verkauf des regenerierten Öls kann ein finanzieller Anreiz für die Betroffenen geschaffen werden. Zudem kann der Rohölverbrauch durch die temporäre Substitution von Rohöl durch sekundäres Öl aus Plastik insgesamt reduziert werden. Dennoch wollen wird den Beweggrund unserer Tätigkeit nicht vergessen, dass es uns in erster Linie darum geht, die Plastikverschmutzung von Land und Wasser zu reduzieren. Dafür setzt sich PLAWARE ein.

Choeung Ek, Völkermord Gedenkzentrum, Phnom Penh, Kambodscha. Hinter dieser trügerischen Idylle verbirgt sich ein dunkles Kapitel der jüngeren Geschichte Kambodschas.

Der Grundstein ist gelegt

In dem Moment, wo ich diese Worte schreibe, sitze ich in einem bei Kambodschanern wie auch Expats gleichermassen beliebten Insider Café in Phnom Penh. Es finden hier auch regelmässig Kunstausstellungen statt. Ein Ort der Begegnung für offene Menschen und Ideen – der passende Arbeitsort für mich. Die letzten zwei Wochen habe ich damit verbracht, Vorbereitungen für das Projekt zu treffen, sprich: Videos zu drehen und schneiden, die Homepage zu optimieren sowie Gespräche mit den lokalen Projektpartnern zu führen. Dies alles für den Beginn unserer öffentlichen Crowdfunding Kampagne.

Java Café, Phnom Penh, Kambodscha. Ein beliebter Treffpunkt für Kambodschaner und Expats. Und der Ort, wo ich ich diesen Blogbeitrag verfasst habe.

In Siem Reap, wo wir unser Pilotprojekt starten, habe ich Vertreter von Fauna in Focus getroffen und mit ihnen das Community Programm verfeinert. Wir haben uns mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir die Menschen dazu gewinnen können, bei unserem Programm mitzumachen. Die Kultur Kambodschas ist eine andere als diejenige in der Schweiz; so ist es nicht ein Einfaches, die Leute davon zu überzeugen, Plastik zu trennen und zu sammeln. 

Es war denn auch Samban’s Idee, der Verantwortliche für das Community Programm, die Mönche, mit einzubeziehen. Diese besuchen die Haushalte, egal ob in ländlichen oder städtischen Gegenden, jede Woche einmal. Die Einheimischen stellen ihnen Essen und Spendengaben zur Verfügung. Dies ist Teil der Tradition des hier verankerten und weit verbreiteten Theravada Buddhismus. Unser Ziel ist es entsprechend, die Mönche so zu schulen, dass sie die Haushalte in unserem Pilotprojekt regelmässig dazu anweisen können, das Plastik zu separieren und zu sammeln.

Wir planen an drei Standorten pro Gemeinde Sammel- und Trennbehälter aufzustellen: in der Schule, an den Pagoden und beim künftigen Standort der Plastik-Verarbeiter. Dies aus gutem Grund. Wir wollen auch Veranstaltungen in den Schulen durchführen und möchten vor allem auf diese Möglichkeit des Umweltschutzes sensibilisieren.

Die Kinder gehen täglich zur Schule; so können sie auf dem Weg dorthin auch das gesammelte Plastik zu den Sammelbehältern bringen. Dieses zu tragen, dürfte ein Leichtes für sie sein. Eine plastikverschmutzte Zukunft zu ertragen, dürften sie wohl weniger auf die leichte Schulter nehmen können.

An den Pagoden finden regelmässig die grossen Feste und Veranstaltungen statt, wo sich folglich alle Menschen der Gemeinschaft treffen. Es macht daher auch Sinn, einen Behälter dort aufzustellen. Die Behälter werden durch die Betreiber der Pyrolyse Anlagen geleert, wo sich der dritte Standort befindet. Die Betreiber werden in einem sorgfältigen Auswahlprozess ausgewählt und geschult.

Beim Prozess der Pyrolyse wollen wir technisch mit Naga Earth zusammenarbeiten. Diese Organisation stellt bereits heute Diesel aus altem Kochöl her und ist im Bereich der Herstellung von Diesel und dessen Verkauf nicht ganz unerfahren. Sie wird auch unsere Prototypen für das Community Programm eingehend in Bezug auf die Handhabung und Sicherheit testen. Wir wollen dafür auch einen technischen Mitarbeiter/-in rekrutieren, welche(r) dann auch die Betreuung der Anlagebetreiber vornehmen wird.

Der Grundstein für unser Vorhaben ist somit gelegt. Auch der Test unseres ersten Pyrolyse Prototypen verlief erfolgreich. Doch mehr dazu im nächsten Blog.

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Pueng That grew up in Aarau (Switzerland). He is an environmental engineer and the founder of PLAWARE.

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